Lesen Sie!

 

Peter Rühmkorf

Hochseil

Wir turnen in höchsten Höhen herum,
selbst-redend und selbst-reimend,
von einem Individuum
aus nichts als Worten träumend.

Was uns bewegt – warum, wozu? –
den Teppich zu verlassen?
Ein nie erforschtes – who is who –?
im Sturzflug zu erfassen …

Wer von so hoch zu Boden blickt,
der sieht nur Verarmtes, Ver/w/irrtes!
Ich sage: Wer Lyrik schreibt, ist verrückt!
Und wer sie für wahr nimmt,
der wird es!

Ich spiel mit meinem Astral-Leib Klavier,
4-füßig – 40-zähig –
ganz unten am Boden gelten wir
für nicht mehr ganz zurechnungsfähig.

Die Loreley – die Lore Ley _?
entblöszt ihr Haar
am umgekippten Rheine

Ich schwebe graziös in Lebensgefahr,
grad zwischen Freund Hein und Freund Heine.

 

Von Monika Dorothea Carbe aus dem Kopf zitiert, da dieses Gedicht sie begleitet, seit sie denken kann.

In herzlicher Erinnerung an den 24. Januar 1977, als der Stadtschreiber von Bergen-Enkheim beim Literaturkurs der Frankfurter VHS, in dem zum Beispiel Goethe und Büchner, Christa Wolf und Günter de Bruyn gelesen wurden – und die Todesfuge von Paul Celan … – ja, als Peter Rühmkorf bei uns zu Gast war. Gegenüber der Schule.

Wir danken dir alle, lieber Peter – und ich schreibe im Namen der Türkischen Gemeinde Rhein-Main, im Namen von Marie-Noelle und Nadine, von Beatriz Katz, von Josy und Giovanni, von Simone Marcuse – und Guy Herbert und vielleicht noch manchen anderen …

Dein Gedicht hat uns vor Fehlern bewahrt.
Charlotte, Clemens und Hans Berlin–Harder, Monika Carbe, Sinan Cromann, Hans-Dieter Grünefeld, Bahar Rasmussen – und noch ein paar Leute

[Hauptseite] [Zur        Person] [Arbeiten] [Lesen        Sie!] [Kontakt]